Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Schlaflosigkeit
Was ist die „innere Uhr“?
Die Evolution hat den meisten Tieren, so auch dem Menschen, das Schlafen in Zyklen „gelehrt“, zwischen denen das schlafende Individuum kurzeitig oder auch mal länger wach bleibt und so nach dem Rechten schauen kann.
Auch viele Menschen hätten natürlicherweise einen eher polyphasischen Schlaf, bei dem nicht alle Zyklen in die Nacht fallen würden, sondern durchaus auch noch ein weiterer Zyklus beispielsweise als Nachmittagsnickerchen abgehalten werden könnte. Manche erleben auch eine ein- bis dreistündige Schlafpause in der Nacht z.B. gegen 3 Uhr morgens. Ist man dann hellwach ohne ein Empfinden von Müdigkeit und Erschöpfung, ist diese Schlafpause sehr wahrscheinlich keine Durchschlafstörung.
Unsere „innere Uhr“ ist genetisch „programmiert“ und verändert sich in manchen Lebensphasen (z.B. mit Beginn der Pubertät oder mit den Wechseljahren der Frau). Diese „innere Uhr“ gibt vor, wann der Körper ruhen bzw. schlafen möchte. Dann werden wir müde und erleben einen Leistungsabfall. Erst die Industrialisierung hat uns „zivilisierte“ Menschen dazu gebracht, unser gesamtes Schlafbedürfnis innerhalb von 24 Stunden in der Nacht und möglichst innerhalb von acht Stunden zu befriedigen. Allein dadurch, dass viele Menschen zu Zeiten zu schlafen versuchen, die ihrer „inneren Uhr“ nicht entsprechen, führt oft zu Schlafstörungen.
Was sind die Symptome der Schlaflosigkeit?
Ohne gesunden Schlaf sind wir tagsüber müde, nicht leistungsfähig und missgestimmt. Hinzu kommt die Problematik der kreisenden Gedanken. Sie fragen sich vielleicht, warum Sie nicht mehr gut schlafen können oder warum Ihnen früher leicht von der Hand gehende Dinge auf einmal nicht mehr gelingen. Halten die Schlafstörungen über einen langen Zeitraum an, können psychische Erkrankungen begünstigt entstehen.
Andererseits sind Schlafstörungen auch oft Vorboten von seelischen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Depression. Sie kennen das vielleicht von Menschen, die unter Migränekopfschmerzen leiden, dass diese sich ankündigen über Seestörungen beispielsweise. Man nennt dies Aura. Schlafprobleme können ähnlich einer Migräneaura manchmal seelische Erkrankungen vorankündigen.
Was sind hilfreiche Tipps und Unterstützungen bei Schlaflosigkeit?
- regelmäßiger Tagesablauf
- moderate sportliche/ körperlichen Aktivität (jedoch möglichst mit 1-2 Stunden Abstand zur Schlafenszeit)
- eine Stunde vor dem Zubettgehen zur Ruhe kommen, herunterfahren
- Verzicht auf Alkohol
- koffeinhaltige Getränke ab dem Nachmittag vermeiden
- gemütliches Bett
- geeignete Schlaftemperatur (je nach Empfinden, tendenziell eher kühler)
- verdunkelter Raum (fördert die Schlafhormonausschüttung)
- einladende Schlafumgebung
- Schlafrituale schaffen
- feste Schlaf- und Wachzeiten
- Gedanken vor dem Zubettgehen niederschreiben
- mindestens eine Stunde bei Tageslicht draußen sein
- Uhr außerhalb des Sichtfelds
- Handy in den Flugmodus schalten
Bei kurzfristigen Schlafproblemen durch Stress oder eine Ausnahmesituation in Ihrem Leben kann es helfen, Entspannungstechniken anzuwenden. Yoga, Mediation und Autogenes Training sind beispielhafte Verfahren, die hilfreich beim Entspannen sind, und bringen Körper und Geist zur Ruhe. Auch das Trinken eines warmen Getränks wie Tee (ohne Koffein) und das Meiden von Essen unmittelbar vor dem Schlafengehen können hilfreich sein.
Des Weiteren empfiehlt sich das Unterlassen des Nutzens technischer Geräte etwa eine Stunde vor der Schlafenszeit.
In vielen Schlafzimmern gehört der Fernseher zur selbstverständlichen Einrichtung. Doch auch das Fernsehgerät kann ein Grund für Schlaflosigkeit sein und einen ähnlichen Effekt, wie ein Telefon oder Computer erzielen. Grundsätzlich ist es ratsam, technische Geräte aus dem Schlafzimmer zu verbannen und diesen Raum als Ort der Ruhe und der Entspannung einzurichten.
Ein Handy im Flugmodus als Wecker, als Abspielgerät von Entspannungsmusik oder ähnlichem, ist in der Regel in Ordnung. Schauen wir vor dem Einschlafen immer wieder in Bildschirme, kann dies die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin jedoch gravierend unterdrücken und so den Schlaf-Wach-Rhythmus erheblich stören.
Soll ich ein Schlafmittel einnehmen bei Schlaflosigkeit?
Von einer anhaltenden unkritischen Medikation mit Schlafmitteln, ohne eine Diagnostische Beurteilung durch Experten, ist dringend abzuraten.
In unseren auf Schlafstörungen spezialisierten Fachkliniken sind wir stets um eine ganzheitliche Betrachtung jedes einzelnen Menschen bemüht. Wir betrachten deshalb nicht nur die körperlichen Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente, sondern auch die seelischen und sozialen Umstände der Betroffenen.
In unseren Kliniken mit eigenem Schlaflabor ist es uns möglich, den Schlaf mittels einer Schlaflabormessung (Polysomnographie) im regulären und bequemen Patientenzimmer (keine Laboratmosphäre) zu messen und im Nachgang zu beurteilen.
Zusammen mit einer ausführlichen Anamnese (einem Gespräch zu ihrer medizinischen Vorgeschichte und Ihren aktuellen Lebensumständen) können wir den Schlafstörungen differenzierter auf den Grund gehen und viele körperliche Ursachen ausschließen.
Im Anschluss beraten wir Sie gerne zu möglichen Behandlungsoptionen aber auch Tipps und Tricks für den Alltag. Denn wie wir tagsüber leben, bestimmt maßgeblich, wie die Nacht wird.
Schlaflosigkeit - Wann muss ich zum Arzt?
Schlafstörungen werden am erfolgreichsten behandelt, wenn die Ursachen bekannt sind, deshalb ist es wichtig, diese zunächst in Erfahrung bringen. Mit den genannten Informationen zum Life Style kann man einigen Schlafstörungen bereits auf den Grund gehen.
Besteht das Problem jedoch über mehrere Monate an den überwiegenden Tagen der Woche, ist es meist sinnvoll, die Unterstützung von Experten (z.B. Schlafmediziner) zu suchen. Gemeinsam lassen sich viele Ursachen ausmachen, um diese dann gezielt zu behandeln.
Im Gegensatz zu noch vor einigen Jahren gibt es heute die Schlafmedizin, ein auf den gesunden Schlaf und seine möglichen Störungen und Erkrankungen spezialisiertes medizinisches Fachgebiet. Langanhaltende Schlafstörungen müssen Sie heute nicht mehr einfach aushalten. Oftmals lassen sich Ursachen eingrenzen und gezielte Behandlungsstrategien finden.
In den oben aufgeführten Oberberg Fachkliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie untersuchen und behandeln wir Schlafstörungen neben und unabhängig von psychischen Erkrankungen. Nach einer umfassenden Untersuchung und einer eingehenden Anamnese erstellen wir für Sie einen Therapieplan auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und moderner Therapieverfahren.
Wie wird Schlaflosigkeit therapiert?
Therapie von Schlaflosigkeit kann beispielsweise folgende Elemente umfassen bzw. Ziele verfolgen:
- Informationsvermittlung zu Schlaf
- Qualität und Quantität des Schlafs steigern
- Schlafverhaltensweisen verbessern
- Verbesserung des Wohlbefindens
- Stressbelastungen reduzieren
- Bearbeitung von Konflikten
- Steigerung der Lebensqualität
- Leistungsfähigkeit wiederherstellen
- Körperliche Ursachen ausmachen und gezielt behandeln
Was ist ein Schlaflabor?
Die Oberberg Kliniken verfügen über ein schlafmedizinisches Kompetenzzentrum mit eigenem mobilem Schlaflabor. Dies ermöglicht vor Ort und in einem normalen, wohnlich-gemütlichen Patientenzimmer (ohne Laboratmosphäre) eine umfassende Untersuchung des Schlafes und dadurch eine sehr individualisierte Behandlung der Schlafstörung.
Quellen
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