Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Pathologisches Grübeln
Wer ist von Pathologischem Grübeln betroffen?
Es ist nicht eindeutig möglich zu sagen, wie weit Pathologisches Grübeln in der Bevölkerung verbreitet ist. Das liegt unter anderem daran, dass nicht genau festzulegen ist, ab wann Grübeln pathologisch, also krankhaft, ist. Eine klar Linie zu ziehen ist kaum möglich, auch wenn es mittlerweile diagnostische Instrumente gibt, die dies versuchen. Trotzdem zeigt sich in Studien immer wieder, dass Frauen deutlich häufiger von pathologischem Grübeln betroffen sind als Männer. Dieser Unterschied ist besonders bei gesunden Menschen zu erkennen, bei psychisch Erkrankten ist er weniger eindeutig.
In einer Studie von Nolen-Hoeksema (2006) wurden 1300 Personen der amerikanischen Bevölkerung zu ihrem Grübelverhalten befragt. Dabei konnte bei 73% der jungen Erwachsenen und 52% der Erwachsenen mittleren Alters festgestellt werden, dass sie „habituelle Grübler“ sind, also sehr regelmäßig zum Grübeln neigen.
Lässt sich Pathologisches Grübeln abstellen?
Es gibt Tricks, um Grübelgedanken zu unterbrechen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Dabei können schon einfache Übungen helfen, die allein zuhause durchgeführt werden können. Um pathologisches Grübeln als Reaktion auf depressive Stimmung zu reduzieren, ist in der Regel jedoch eine kognitive Verhaltenstherapie angezeigt.
Welche Folgen hat pathologisches Grübeln?
Welche Folgen hat pathologisches Grübeln? Egal welche Strategie hinter der Entwicklung des Grübelns steht, pathologisches Grübeln kann krank machen. Pathologisches Grübeln als mentale Gewohnheit sorgt für einen ununterbrochenen Ausstoß von Stresshormonen. Die negativen Gefühle, mit denen das Grübeln einhergeht, wirken ähnlich auf den Körper wie Stress. Der Körper kann auf anhaltendes Grübeln mit einem erhöhten Blutdruck, einer erhöhten Herzrate und verringerter Herzratenvariabilitat sowie einer stärkeren Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reagieren. All diese Reaktion stehen in Verbindung mit häufigen Herz-Kreislauferkrankungen.
Welche Übungen gibt es, um innerlich zur Ruhe zu kommen?
Meditation, Entspannungsübungen oder progressive Muskelrelaxation helfen, den Fokus der Wahrnehmung zu verändern.
Wie wird Pathologisches Grübeln behandelt?
Pathologisches Grübeln sollte im Rahmen einer Psychotherapie behandelt werden. Dazu gibt es zwei Verfahren, die sich in klinischen Untersuchungen als wirksam erwiesen haben. Dabei handelt es sich um die Ruminationsfokussierten Kognitive Verhaltenstherapie (RFCBT) nach Watkins (2016) und die Metakognitive Therapie (MCT) nach Wells (2011). Welche Behandlung wirksamer ist, ist zurzeit noch nicht ausreichend erforscht. Beide Therapien werden hauptsächlich bei Patienten angewendet, die unter Depressionen leiden, die durch pathologisches Grübeln aufrechterhalten werden. Auch Teismann und Ehrung beschreiben in "Fortschritte der Psychotherapie", Band 74, Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von pathologischem Grübeln.
Wie funktioniert eine Metakognitiven Therapie?
Bei der Metakognitiven Therapie, die hauptsächlich bei depressiven Störungen angewendet wird, kommen verschiedene metakognitive Strategien zum Einsatz. Die Therapieform kann auch bei anderen psychischen Störungen wie Angststörungen zum Einsatz kommen. Das Ziel ist es, Grübelprozesse zu minimieren. Die Metakognitive Therapie des depressiven Grübelns ist eine Kurzzeittherapie, die in etwa 10-12 Sitzungen durchgeführt wird. Dabei können folgende Bausteine verwendet werden:
- Entwicklung eines metakognitiven Fallkonzepts,
- Psychoedukation bezüglich des metakognitiven Modells,
- Aufmerksamkeitstraining (Attention Training Technique, ATT),
- Modifikation negativer Metakognitionen,
- Losgeloste Achtsamkeit (Detached Mindfulness, DM),
- Modifikation positiver Metakognitionen,
- Festigung neuer Verarbeitungsroutinen.
Wie funktioniert die Ruminationsfokussierte kognitive Verhaltenstherapie (RFCBT)?
Die Ruminationsfokussierte kognitive Verhaltenstherapie (RFCBT) wurde von Watkins (2016) entwickelt und umfasst eine Vielzahl von Strategien, die flexibel angewendet werden können. Die zentralen theoretischen Ideen, die der Behandlung zugrunde liegen, sind
(1) die Hypothese, dass übermäßiges Grübeln eine Gewohnheit ist, die durch bestimmte Situationen ausgelöst wird,
(2) die Vorstellung, dass Grübeln eine Form des Vermeidungsverhaltens ist, und
(3) dass zwischen funktionalen und dysfunktionalen Denkprozessen unterschieden werden kann.
Die RFCBT für depressive Störungen ist eine strukturierte Kurzzeitbehandlung, die an den Einzelfall angepasst werden kann. Daher können sich Behandlungsinhalte und von Patient zu Patient stark unterscheiden. Unabhängig von den konkreten Behandlungsinhalten wird auf den strukturierten Aufbau der Sitzung geachtet. Jede Sitzung beginnt mit einer festgelegten Tagesordnung, die einen Rückblick auf die vorherige Sitzung und eine Besprechung der Hausaufgaben sowie einen zentralen Schwerpunkt für jede Sitzung umfasst. Am Ende der Sitzung werden die Aufgaben, die der Patient vor der nächsten Sitzung durchführt, definiert und mit Blick auf die konkrete Umsetzung ausführlich besprochen.
Die folgenden Behandlungsmodule werden typischerweise verwendet:
- Verhaltensanalysen, Selbstbeobachtung und funktionale Analyse
- Psychoedukation
- Veränderung auslösender Bedingungen und Entwicklung von Wenn-Dann-Plänen
- Veränderung des Verarbeitungsstils:
4.1 Training in konkretem Denken
4.2 Absorptionsübungen
4.3 Compassion-Übungen
Was hilft gegen Pathologisches Grübeln?
Um zu lernen, wie man seine eigenen Gedanken besser steuern kann, hilft die sogenannte „Zwei-Minuten-Regel“ (siehe unten) von Addis und Martell (2004) Die Regel geht davon aus, dass es hilfreich ist, zu bemerken, in welchem Denkstil man denkt, um das unnütze und stimmungsgefährdende Grübeln abzuschalten.
Es helfen verschiedene Strategien, um die Störungen des Denkens zumindest erträglicher machen. Ehring und Teismann erwähnen in diesem Zusammenhang Aufmerksamkeitstraining, losgelöste Achtsamkeit oder ein Grübeltagebuch. Diese Dinge sollten als Hilfsmittel verstanden werden, um pathologisches Grübeln zu reduzieren. Sie sollten jedoch nicht das Ziel einer Behandlung sein. Ein Trick, der vor allem Menschen hilft, die durch ihre Neigung zum Grübeln nachts nicht schlafen können, ist die Übung des Grübelstuhls.
Was ist die Zwei-Minuten-Regel Übung?
Wenn Sie nun nicht wissen, ob Sie grübeln oder ob ihre Gedanken zielführend sind, versuchen Sie, einfach zwei Minuten genau und auf dieselbe Art und Weise weiter nachzudenken. Stellen Sie nach zwei Minuten die folgenden Fragen:
- Bin ich mit einer Problemlösung vorangekommen?
- Habe ich etwas verstanden, was mir vorher noch nicht klar war?
- Bin ich in der Zeit weniger selbstkritisch und/oder weniger depressiv geworden?
Wenn Sie nicht eine der Fragen klar mit ja beantworten können, handelt es sich bei Ihrem Denkstil wahrscheinlich um Grübeln. Versuchen Sie nun, sich abzulenken und den Denkprozess zu unterbrechen.
Was ist die Grübelstuhl Übung?
Viele Menschen neigen zum nächtlichen Grübeln. Tagsüber gelingt es uns gut, uns abzulenken, wenn wir mit Arbeit, Hausarbeit oder Freizeitaktivitäten beschäftigt sind. Nachts hingegen fallen Beschäftigungen und Ablenkungen weg. Deshalb werden viele Menschen nachts besonders häufig von hartnäckigen Grübelgedanken eingeholt. Weil es unmöglich ist, belastende Gedanken immer nur wegzuschieben, ist es sinnvoll, sich bewusst einen Raum zum Grübeln zu schaffen.
Dazu können Sie einen Ort in Ihrer Wohnung auswählen, der üblicherweise nicht mit Entspannung assoziiert ist. Sie können zum Beispiel einen Stuhl wählen, auf dem Sie sonst nie oder selten sitzen. Auf diesen Stuhl setzen Sie sich, wenn Sie merken, dass Sie gerade stark am Grübeln sind – zum Beispiel nachts, wenn Sie eigentlich schlafen wollen. Sie können auch eine tägliche „Verabredung“ mit diesem Stuhl ausmachen. Nehmen Sie sich dort Zeit zu Grübeln, lassen Sie negative Gedanken und Sorgen zu. Es kann helfen, sich die Gedanken aufzuschreiben, um besser davon loszukommen. Wenn Sie merken, dass Sie langsam von Ihren Gedanken abschweifen, beenden Sie das Grübeln mit einer Abschlussgeste. Sagen Sie zum Beispiel etwas wie: „Jetzt habe ich genug gegrübelt und kann damit aufhören“.
Quelle
Teismann, T., & Ehring, T. (2019). Pathologisches Grübeln (Vol. 74). Hogrefe Verlag.