Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Paranoia
Was ist der Unterschied zwischen einer Psychose und einer Paranoia?
Bei einer Psychose handelt es sich um eine Störung, die zum Beispiel im Rahmen einer Schizophrenie auftritt. Der Begriff ist umstritten – meist ist damit ein Zustand gemeint, in dem Betroffene den Bezug zur Realität verlieren und zum Beispiel akute Halluzinationen oder Wahnvorstellungen haben. Oftmals sind die Gedanken während einer Psychose paranoid – Betroffene haben zum Beispiel Angst, dass ihnen jemand Schaden zufügen will. Paranoia tritt allerdings nicht nur in psychotischen Zuständen auf. Auch Menschen, die ihren Alltag gut meistern und die nicht unter einer psychischen Störung leiden, können paranoide Gedanken oder Wahnvorstellungen entwickeln.
Derartige Gedanken können vereinzelt auftreten, oft spricht man von Paranoia aber auch im Rahmen von Persönlichkeit. Die Denkmuster, die als typisch paranoid gelten, können demnach als Teil der Persönlichkeit der Betroffenen aufgefasst werden.
Eine solche paranoide Persönlichkeit wird in der wissenschaftlichen Literatur mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht, psychotische Symptome entwickeln zu können: Bei paranoiden Gedanken besteht in der Regel noch ein Bezug zur Realität, wohingegen bei einer Psychose zusätzlich Symptome wie akute Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust oder Ich-Störungen auftreten.
Leiden Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, an Paranoia?
Verschwörungstheorien können als eine Form der Paranoia aufgefasst werden. Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, nehmen an, dass sich eine Gruppe mit böser Absicht verschworen hat, um anderen zu schaden. Klassischer Weise wird von Paranoia gesprochen, wenn die betroffene Person Schaden für sich selbst fürchtet. Bei einer Verschwörungstheorie sind die Theorien globaler und beziehen sich auf die Gesamtgesellschaft, zu der die Betroffenen auch gehören. Deshalb handelt es sich um einen Sonderfall von Paranoia. Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, sind deshalb jedoch nicht automatisch psychisch erkrankt.
Wie wird eine Paranoia diagnostiziert?
Paranoia tritt als Symptom bei verschiedenen Krankheiten auf, zum Beispiel bei Paranoider Schizophrenie, Paranoider Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankungen oder Bipolaren Störungen. In den internationalen Klassifikationsmanualen für körperliche und psychische Erkrankungen ICD-10 und DSM-5, wird zudem von einer Wahnhaften Störung gesprochen, die durch Paranoia geprägt ist. Bei einer solchen wahnhaften Störung stehen Wahnvorstellungen im Vordergrund, die jedoch nicht im Rahmen einer Schizophrenie oder aufgrund der Einnahme von Drogen oder Gehirnschäden auftreten.
Hilft eine Psychotherapie gegen Paranoia?
Eine Psychotherapie kann bei vielen Formen von Paranoia nützlich sein. Vor allem, wenn die Paranoia nicht eindeutig auf körperliche Ursachen zurückzuführen ist, bietet sich eine Psychotherapie zur Behandlung an. An den paranoiden Vorstellungen der Betroffenen zu arbeiten, hilft ihnen, ihren Alltag besser zu meistern und sich selbst und anderen nicht zu schaden. Deshalb ist eine Psychotherapie oft sehr hilfreich, auch wenn sie die Ursachen nicht immer direkt bekämpfen kann. Ergänzend können weitere Behandlungsverfahren eingesetzt werden.
Welche Behandlung hilft bei Paranoia?
Welche Behandlung bei Paranoia angezeigt ist, hängt von der zugrundeliegenden Störung ab. Je nachdem, ob Paranoia im Rahmen einer Schizophrenie, als Folge von Substanzmissbrauch, Gehirnschäden oder als Symptom bei einem sonst stabilen psychischen Zustand vorkommt, sollten spezifische Strategien der Behandlung gewählt werden.
Quellen
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