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Was ist ADHS? Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird bei Kindern und Jugendlichen weltweit häufig diagnostiziert. Im internationalen Krankheitsklassifikationssystem (ICD-10) wird ADHS den „Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend“ zugeordnet. Die typischen Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität (motorische Überaktivität) und Impulsivität.
Die Unaufmerksamkeit hat zur Folge, dass z.B. geistig anstrengende Tätigkeiten vorzeitig abgebrochen oder abrupt gewechselt werden, Flüchtigkeitsfehler auftreten oder das Konzentrationsvermögen reduziert ist. Die Hyperaktivität äußert sich häufig in exzessiver Ruhelosigkeit mit Herumlaufen, Nicht-sitzen-Können, ständigem Reden oder zielloser Aktivität.
Im Erwachsenenalter besteht statt einer motorischen Hyperaktivität hingegen häufiger eine ausgeprägte innere Unruhe und Anspannung. Impulsivität zeigt sich z.B. in vorschnellen, unüberlegten Entscheidungen oder mangelnder Impulskontrolle.
Was sind die Symptome von ADHS?
Durch diese Symptomatik entstehen ein deutlicher Leidensdruck und/oder Einschränkungen sowohl im sozialen als auch im schulischen/beruflichen Umfeld, sodass es zu Einschränkungen der Alltagsfunktionalität kommt.
Eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beginnt in der Kindheit und kann teilweise oder vollständig bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Die Symptomatik einer ADHS verändert sich dabei häufig mit dem Lebensalter.
Die Symptome
• treten situationsübergreifend auf (z.B. im beruflichen und privaten Kontext).
• beginnen in der Kindheit (i.d.R. vor dem siebten Lebensjahr).
• sind zeitlich überdauernd.
• lassen sich nicht besser durch andere Störungen erklären.
Woran erkennt man ADHS im Kindes- und Jugendalter?
Es wird angenommen, dass die Störung bei 3-8 % der Kinder und Jugendlichen auftritt (Verhältnis männlich zu weiblich 4:1). Teilweise zeigen bereits Säuglinge eine leichte Irritierbarkeit, Schlafstörungen und exzessives Weinen, wobei diese Symptome nicht zwingend auf eine spätere ADHS hinweisen müssen.
Kleinkinder zeigen häufig eine gewisse „Gefahrenblindheit“, die sich in gehäuften Verletzungen und Gefährdungen (z.B. im Straßenverkehr) äußert. Bei Schulkindern kommt es häufig zu Problemen mit Mitschülern und Lehrern, was zusätzlich eine Störung des Sozialverhaltens fördern kann. Wegen „Zappeligkeit“, Ungeduld, „Schusseligkeit“, schlechter Noten und „Zu-laut-Sein“ fallen die betroffenen Kinder häufig negativ auf.
Woran erkennt man ADHS bei Erwachsenen?
Insbesondere im Erwachsenenalter treten bei einer ADHS häufig folgende Symptome zusätzlich auf:
• Affektlabilität und -kontrolle: Die Stimmung kann recht schnell wechseln, sie ist mal ausgeglichen, mal niedergeschlagen, in anderen Momenten gehoben bis euphorisch. Eine verringerte Frustrationstoleranz kann von andauernder Reizbarkeit und Wutausbrüchen begleitet sein.
• Emotionale Übererregbarkeit: In alltäglichen Anforderungssituationen kommt es schnell zu Reizüberflutung und Unfähigkeit, mit alltäglichen Stresssituationen umzugehen.
Bei der Auflistung handelt es sich um einen groben Überblick der Symptome, es können weitere auftreten. Außerdem ersetzt eine Selbstüberprüfung keine ärztliche oder psychologische Diagnostik.
Wie wird Hyperaktivität behandelt?
Die Behandlung von Hyperaktivität richtet sich nach der Ursache des Symptoms.
Liegt eine körperliche (somatische) Erkrankung wie eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor, so wird durch die Therapie der Grunderkrankung meist auch eine Verbesserung des Symptoms der Hyperaktivität eintreten.
Ebenso bei zugrunde liegenden seelischen (psychischen) Erkrankungen, wie beispielsweise einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Oftmals wirkt sich eine psychotherapeutische Behandlung positiv auf auftretende Hyperaktivität aus, insbesondere bei psychischen Konflikten. Betroffene können in einer Psychotherapie erlernen, mit ihrer Hyperaktivität umzugehen, sowie wie zugrunde liegende Problleme aufzuarbeiten. Dafür sind auch störungsspezifische Behandlungskonzepte vorhanden. Häufig werden auch Entspannungsverfahren, wie Meditation, erlernt. Bezugspersonen von Menschen mit Hyperaktivität können ein Training zum Umgang erhalten.
Desweiteren können Medikamente eingesetzt werden, wie Psychopharmaka, Beruhigungsmittel oder pflanzliche Präparate.
Auch eine Anpassung der Ernährung ist möglich, da Substanzen wie ein hoher Zucker- oder Koffeinkonsum, zu hyperaktivem Verhalten beitragen können.
Werden Medikamente in der Behandlung eingesetzt?
Ein Einsatz von Substanzen zur Milderung von Hyperaktivität sollte in jedem Fall ärztlich verordnet oder abgesprochen werden.
Kann Hyperaktivität selbständig abklingen?
Es ist möglich, dass die Hyperaktivität wieder selbstständig abklingt (Spontanremission).
Ebenso ist zu berücksichtigen, dass die Einschätzung von Hyperaktivität auch subjektiv von der beruteilenden Person abhängig ist. Diese sollte durch einen Arzt oder Psychologen geschehen. Die Grenzen zwischen gesundem und hyperaktivem Verhalten sind oft fließend.
Quellen
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