Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Halluzinationen
Was sind Halluzinationen?
Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, die sich bei den Betroffenen auf verschiedene Weise äußern. Betroffene haben keine Einsicht, dass die wahrgenommenen Phänomene nur subjektiv vorhanden sind und nicht objektiv. Zu den häufigsten Symptomen gehören imaginäre Stimmen, eingebildete körperliche Veränderungen und Scheinbilder.
Es gibt verschiedene Arten von Halluzinationen, die verschiedene Sinne betreffen. Die Arten sind: Akustische, optische, taktile, kinästhetische, vestibuläre, hypnagoge und hypnopompe Halluzinationen, sowie Geschmacks-, Geruchs-, Leib- und Körperhalluzinationen.
Treten Halluzinationen immer wieder auf und sind die Betroffenen bei klarem Bewusstsein, spricht man von einer Halluzinose. Sind sich Betroffenen darüber bewusst, dass ihre Sinnestäuschungen nicht real sind, handelt es sich um eine Pseudohalluzination. Häufig treten Halluzinationen im Rahmen einer Psychose, z.B. einer Schizophrenie, auf.
Was ist der Unterschied zwischen Halluzinationen und Illusionen?
Der Unterschied zwischen Halluzinationen und Illusionen ist, dass bei Illusionen an die wirkliche Wahrnehmung angeknüpft wird, diese allerdings fehlerhaft interpretiert wird.
Es wird von einer Halluzinose gesprochen, wenn Halluzinationen auftreten, bei denen der Betroffene allerdings bei klarem Bewusstsein ist und sich in der Regel von den Täuschungen distanzieren kann. Bei einer Halluzinose sind Halluzinationen wiederkehrend. Diese meist akustischen oder visuellen Halluzinationen können durch körperliche Erkrankungen oder Substanzkonsum ausgelöst werden.
Außerdem wird zwischen tatsächlichen Halluzinationen und Pseudohalluzinationen unterschieden. Bei Pseudohalluzinationen ist sich der Betroffene darüber bewusst, dass das, was er sieht, nicht real ist. Diese Fähigkeit zwischen dem Realen und Eingebildeten zu unterscheiden fehlt bei einer tatsächlichen Halluzination.
Sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen das gleiche?
Nein, es besteht ein Unterschied: Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, die sich auf den Körper bzw. die körperlichen Sinne beziehen und diese beeinflussen. Wahnvorstellungen hingegen wirken sich auf die Denkweise und Vorstellungen aus. Es besteht beispielsweise die Überzeugung verfolgt oder überwacht zu werden. Wahnvorstellungen können langanhaltend und sehr komplex sein. Sie können die gesamte Wahrnehmung der Betroffenen einnehmen. Innerhalb eines Wahns können Halluzinationen auftreten. Da Betroffene diese Halluzinationen als echt erleben, fungieren sie häufig als Beweise für die innere Logik der Wahnvorstellungen.
Wodurch entstehen Halluzinationen?
Halluzinationen treten häufig im Rahmen einer psychischen Erkrankung wie einer Psychose oder Schizophrenie auf, können aber auch ein Symptom einer körperlichen Erkrankung sein, durch Einnahme von Substanzen oder im Rahmen gewisser, das Bewusstsein beeinflussende Zustände, entstehen.
Ich habe Halluzinationen - was soll ich tun?
Um die Ursache der Halluzinationen zu eruieren, kann ein diagnostisches Erstgespräch mit einem Allgemeinmediziner, Neurologen, Psychiater oder Psychotherapeuten erfolgen. Zur Diagnostik gehört die Besprechung der Symptome, eine körperliche Untersuchung, sowie gegebenenfalls eine Blutuntersuchung, Sprach- oder Gedächtnistests oder bildgebende Untersuchungsverfahren. Ist der Auslöser der Halluzinationen festgestellt, kann die passende Therapie der Ursache erfolgen.
Wie können Halluzinationen behandelt werden?
Zuerst wird eine Diagnostik vorgenommen, um die Ursache der Halluzination/en ausfindig zu machen. Dazu wird eruiert, welche spezifische Art von Halluzination/en bei dem Betroffenen auftreten. Auch die Häufigkeit und Intensität der Halluzinationen wird abgeklärt. Nach Feststellung der Ursache ist eine Behandlungsempfehlung möglich. Häufig findet zur Therapie von Halluzinationen eine Kombination von Psychotherapie und Psychopharmakotherapie statt. Zur Behandlung therapieresistenter Formen werden Elektrotherapieverfahren angewendet.
Zusammengefasst sind die häufigsten Behandlungsverfahren bei Halluzinationen:
- Pharmakotherapie, z.B. mit Neuroleptika
- Psychotherapie, z.B. kognitiv-behaviorale Therapie
- Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
- Tiefe Hirnstimulation (THS)
- Transkranielle Gleichstrombehandlung (tDCS)
- Funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS), Neurofeedback
Wie sieht die Therapie bei Halluzinationen aus?
Verschiedene psychotherapeutische Verfahren können zur Behandlung von Halluzinationen eingesetzt werden. So wird beispielsweise bei Schizophrenie (Psychose) häufig mit einer kognitiven Verhaltenstherapie behandelt. Dabei wird gezielt an den Wahnvorstellungen angesetzt. Durch eine akzeptierende und neutrale Haltung des Therapeuten, wird die Logik und innere Beweisführung des Wahns des Patienten nachvollzogen, um die irrtümlichen Überzeugungen von ihm langsam, aber nachhaltig, zu schwächen.
Bei resistenten Halluzinationen werden nach einer erfolglosen Pharmakotherapie Therapiemethoden mit Hirnstimulation angewendet. Bevorzugt die repetitive transkranielle Magnetstimulation, aber auch die transkranielle Gleichstrombehandlung, haben sich als Therapie bei resistenten Halluzinationen etabliert, beide sind nicht-invasiv. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung resistenter Halluzinationen ist das invasive (erfordert eine Operation) Elektrotherapieverfahren der tiefen Hirnstimulation, auch genannt „Deep Brain Stimulation“.
Quellen
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