Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Alexithymie - Gefühlskälte
Alexithymie: Was ist das?
Wer von diesem Zustand betroffen ist, leidet unter Gefühlskälte. Man spricht auch von einer Gefühlsblindheit. Betroffene zeichnen sich also dadurch aus, dass sie ihre eigenen Gefühle nicht oder nicht richtig wahrnehmen können, diese nicht verstehen und sie auch nicht in der Lage sind, sie in Worte zu fassen.
Die Alexithymie lässt sich nur schwer einordnen. Nachdem sie in den 70ern entdeckt wurde, kamen erste Diskussionen auf, ob es sich um eine Persönlichkeitsstörung handeln könnte. Dann wären die Beschwerden zum Beispiel mit der Abhängigen, der Zwanghaften oder der Ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung gleichzusetzen.
Letztendlich wurde daran aber nicht festgehalten, sodass es sich offiziell nicht um eine Persönlichkeitsstörung handelt.
Offenbar kann man auch nicht von einer gewöhnlichen Erkrankung sprechen, sodass die Alexithymie nicht in dieselbe Kategorie wie eine Depression oder die Schizophrenie fällt.
Viel wahrscheinlicher ist, dass es eine stark ausgeprägte Eigenschaft der Persönlichkeit oder ein Persönlichkeitszug ist. Man spricht hier auch von einer geringen emotionalen Intelligenz, die zunächst eine menschliche Eigenschaft wie jede andere ist.
Doch bei alexithymen Menschen ist sie vermutlich in frühen Jahren des Lebens auf besondere Umstände getroffen, wodurch sich der Persönlichkeitszug in ein Extrem weiterentwickelt hat.
Andere Quellen sprechen davon, dass es sich bei der Gefühlskälte um eine Bindungsstörung oder um ein Affektregulations-Defizit handelt. Eindeutig lässt sich das aber zurzeit noch nicht sagen.
Rund um die ungewöhnliche Gefühlswelt der Betroffenen ist aufgrund fehlender Studien noch vieles unklar. Was wir jedoch wissen, ist: Nicht alle Alexithymen leiden. Für manche funktioniert es gut, eine gering ausgeprägte Gefühlswelt zu besitzen. Sie leiden häufig auch nicht unter der beschriebenen Erregung.
Es gibt allerdings Betroffene, die gern etwas ändern möchten, zum Beispiel weil ihre Beziehungen nicht funktionieren.
Nicht zu verwechseln ist das Störungsbild mit anderen Erkrankungen und Störungen, die auf den ersten Blick ebenfalls gefühlskalt auf andere wirken. Verwechselt wird die Alexithymie zum Beispiel häufig mit der Psychopathie, der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung und der Schizoiden Persönlichkeitsstörung.
Auch Autisten und Asperger werden häufig als alexithym beschrieben, was aber nicht zwangsläufig auch richtig ist. Für eine Diagnose kommt es darauf an, ob die Person in der Lage ist, ihre Gefühle zu erkennen und wahrzunehmen. Das trifft auf diese Patientengruppen aber häufig zu, sodass man nicht zwangsläufig von Alexithymen sprechen kann.
Wie entsteht Alexithymie?
Bisher ist noch nicht klar, warum manche Menschen alexithym werden. Psychologen vermuten jedoch, dass die Auslöser in der Kindheit liegen könnten. Möglicherweise liegt zusätzlich auch eine genetische Disposition vor. Doch bevor hier genauere Aussagen gemacht werden können, sind weitere Studien erforderlich.
Wie äußert sich Alexithymie?
Menschen mit dem Beschwerdebild zeichnen sich dadurch aus, dass sie kaum tiefe Emotionen zu erleben scheinen. Das kann alle Gefühle betreffen, darunter Freude, Trauer und Wut. Die Betroffenen fallen dadurch auf, dass sie nur wenige oder nur oberflächliche Emotionen zeigen können. Tatsächlich erleben sie aber durchaus Gefühle, können diese nur nicht zuordnen, sondern durchleben stattdessen diffuse Erregungszustände. Es gibt unterschiedliche Schweregrade bei dieser Erkrankung.
Wie fühlt sich das an?
Alexithyme Menschen fühlen sich teilweise sehr unwohl mit ihren Beschwerden und leiden unter ihrer Gefühlsblindheit. Die stattdessen auftretende unklare Erregung kann für sie sehr belastend sein. Viele Betroffene sind daher bereit, sich behandeln zu lassen. Es gibt allerdings auch Betroffene, die mit ihrer Situation gut leben können und sie sogar als angenehm empfinden.
Alexithymie: Was kann ich dagegen tun?
Wer selbst betroffen ist und etwas ändern möchte, findet Hilfe in der Psychotherapie. Häufig sind die Gefühle durchaus da, man muss nur lernen, sie korrekt zuzuordnen. Die Mittel der Wahl sind unter anderem Achtsamkeits- und Emotionstrainings. Anlaufstellen für eine kompetente und professionelle Behandlung sind die deutschlandweit vertretenen Oberberg Kliniken.
Woher kommt der Begriff Alexithymie?
Der Begriff wurde im Jahr 1973 zum ersten Mal definiert. Verantwortlich waren die US-amerikanischen Psychiater John Case Nemiah und Peter Emanuel Sifneos. Sie bemerkten Patientinnen und Patienten, die ihr eigenen Gefühle nicht richtig wahrnehmen konnten und auch nicht in der Lage waren, diese in eigenen Worten zu beschreiben.
Die beiden Experten stellten außerdem fest, dass es keine körperlichen Ursachen für die Beschwerden gibt. Das beschriebene Krankheitsbild haben sie daher den somatoformen Störungen zugeordnet.
Können Menschen bei Alexithymie etwas fühlen?
Viele Menschen glauben, dass alexithyme Menschen kein Emotionserleben hätten. Das trifft aber nur bei einigen Betroffenen zu und lässt sich daher nicht pauschal verallgemeinern. Andere Betroffene erleben in emotionalen Situationen zwar keine regulären Gefühle, doch stattdessen können sie eine innere Erregung oder Anspannung wahrnehmen. Diese Spannung ist häufig diffus und lässt sich nicht zuordnen. Tatsächlich handelt es sich aber um die nicht richtig wahrgenommenen Gefühle.
Quellen
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