Wenn die Angst das eigene Leben bestimmt: Auswege aus der Angstspirale
19.10.2019
Seit frühester Kindheit sind Menschen mit Angst konfrontiert: Sei es die Angst vor Verlust, Angst vor unbekannten Dingen oder das Gruseln vor bestimmten Begebenheiten. Nicht die Angst selbst, aber die Disposition, Angst zu entwickeln und zu empfinden, scheint angeboren und lebenswichtig zu sein. Im Laufe der Zeit lernen wir, mit unseren Ängsten umzugehen. Wir hinterfragen Dinge, beschäftigen uns mit deren Ursachen, Auswirkungen und Folgen. Im besten Fall überwinden wir sie und erleben dadurch Entspannung und Glücksgefühle und fühlen uns persönlich gestärkt. In manchen Fällen besteht die Gefahr, in eine Angstspirale abzudriften, in der sich Ängste potenzieren. Die Angst vor schlimmeren Folgen und Konsequenzen bis hin zur „Angst vor der Angst“ hemmt uns, die eigentliche Angst zu überwinden. Die Folgen sind Lähmung, körperliches Unwohlsein und eine starke psychische Belastung. Warum hat uns die Angst im Griff und was können wir tun, wenn wir ihr begegnen?
Warum haben wir Angst?
Angst als natürliches Phänomen und urmenschliches Gefühl gehört zum gängigen Emotionsspektrum des Menschen. In erster Linie dient es der existenziellen Sicherung. Angst warnt uns vor Gefahren und mahnt zur Vorsicht. Wir entwickeln aus Angst eine erhöhte Energie und können uns somit in lebensbedrohlichen Situationen besser schützen. Das Ausschütten von Stresshormonen lässt den Körper, trotz erhöhter Belastung, konzentrierter und stärker arbeiten. Wir handeln instinktiv, um die Gefahrensituation unbeschadet zu meistern. Im Grunde hat Angst also einen positiven Nutzen. Sie schützt uns. Es gibt jedoch unterschiedliche Gründe, warum Angst von uns Besitz ergreift.
Im Gegensatz zur gesunden Angst leidet mindestens jeder fünfte Mensch im Laufe seines Lebens unter pathologischen Ängsten. Diese beeinträchtigen die Lebensqualität und versetzen den Körper in Unruhe, kombiniert mit negativen Gedanken und Gefühlen. Potenzieren sich Ängste, findet sich der Betroffene in einem Teufelskreis von Ängsten wieder, der Panikattacken auslösen kann. Eine negative Erwartungshaltung bestimmt das Gefühlsbild. Die berühmt-berüchtigte „Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung“ schaukelt die Angst immer weiter auf.
Ungesunde Angst kann sich in vielen verschiedenen Formen ausdrücken, beispielsweise:
Angst unheilbar krank zu sein
Angst, zu erröten oder stark zu schwitzen
Angst vor Einsamkeit/Isolierung
Angst nicht zu funktionieren
Angst vor Fehlern
Existenzängste und generalisierte Sorgen und Befürchtungen
Kinder und Jugendliche können unterschiedliche Formen der Angst aufweisen, wie zum Beispiel:
Angst vor Trennung/Verlust einer Bezugsperson
Soziale Ängstlichkeit
Angst vor generellen Ereignissen (Dunkelheit, Gewitter)
Sich der Angst stellen
Die Behandlungswege von Angstzuständen sind sehr unterschiedlich. Genau wie jeder Mensch verschieden ist, gibt es diverse Möglichkeiten, eine Angst zu therapieren. Wer sich fest im Griff von Angstzuständen befindet, sollte dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein ganzheitlicher Ansatz therapeutischer Maßnahmen umfasst vier Säulen:
Verhaltenstrategien und Übungen zur Konfrontation mit nachfolgender Überwindung und Desensibilisierung der angstbesetzten Situation.
Die inhaltliche Aufarbeitung der Angst, um die Hintergründe und Auslöser der Angst zu klären und deren Botschaft zu verstehen.
Steigerung der körperlichen Fitness und Belastbarkeit (Kraft und Ausdauer).
Förderung von positivem Körpergefühl und Gefühlsausdruck.
Zusätzlich können, vor allem bei sehr schweren und chronischen Angststörungen, zugelassene Medikamente (v.a. manche Antidepressiva) hilfreich zum Einsatz kommen.
Ein solch ganzheitlicher Ansatz wird im Vorfeld gemeinsam mit dem Therapeuten besprochen. Dieser bestimmt einen individuellen Therapieplan und entscheidet, ob zusätzlich eine medikamentöse Behandlung empfehlenswert ist. Es ist nachgewiesen, dass sportliche Betätigung bei seelischen Problemen hilft, viele Sportarten unterstützen sehr sinnvoll und effektiv „psychische“ Therapien. Wichtig dabei: Sport sollte immer mit Spaß betrieben werden, um einen positiven Effekt zu erzielen.
Lernen, auf den eigenen Körper zu hören
Ängste haben, neben der Psyche, großen Einfluss auf den physischen Zustand unseres Körpers. Angst kann uns buchstäblich lähmen. Umso wichtiger ist es, zu lernen, auf seinen Körper zu hören und zu achten. Es gilt die Maxime „Finde selbst heraus, was dir guttut und körperliches Wohlbefinden verschafft!“. Vor allem eine gesunde Ernährung fördert das Wohlbefinden und hat eine Menge positiver Auswirkungen auf den eigenen Körper. Die Wissenschaft zeigt, dass durch fehlerhafte Ernährung (übermäßiger Zuckerkonsum, viel Fett, Weißmehl) die Zusammensetzung der Darmflora (Darmbakterien) ungünstig verändert wird. Die Darmbakterien spielen als Mikroorganismen eine wichtige Rolle im menschlichen Körper und dienen gemeinsam mit tausenden Nervenzellen in der Darmwand als Kommunikationskanal zum zentralen Nervensystem. Sie sind somit auch an mentalen Prozessen, d.h. Fühlen, Denken und Handeln, beteiligt.
Neben Ernährung und Sport, gibt es weitere Dinge, die das persönliche Wohlbefinden steigern. Für viele Menschen spielt Musik eine zentrale Rolle im Leben. Der eigene Lieblingssong entspannt und ruft positive Emotionen hervor. Verantwortlich dafür ist eine physiologische Kettenreaktion. Der Körper schüttet Wachstumshormone und weitere Proteine aus, die dafür sorgen, dass letztlich die Nebennieren weniger Stresshormone (Adrenalin oder Cortisol) produzieren. Ergebnis: Blutdruck und Herzfrequenz sinken, das Gefühl von Angst lässt nach.
Auswege aus dem Teufelskreis
Ein Gefühl der Angst ist ganz natürlich und schützt uns in seiner Primärfunktion vor existenziellen Gefahren. Dem gegenüber stehen krankhafte Angstzustände, die sich bei Ignorieren potenzieren können. Der Betroffene gerät in einen Teufelskreis der Angst. Um aus diesem wieder herauszufinden, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu nutzen. Therapeuten nähern sich dem Angstzustand ganzheitlich und gehen Hintergründen und Auslösern der Angst auf den Grund. Zusätzlich ist es wichtig, alle Ressourcen zu nutzen, die dem Körper guttun: Ernährung, Sport, Musik oder andere entspannende oder kreative Beschäftigungen können helfen, das Wohlbefinden zu steigern und positive Gefühle zu entwickeln. All das wird durch Therapien, die auch in den Oberberg Fachkliniken angeboten werden, unterstützt und verhilft dazu, den Teufelskreis zu verlassen und die eigene Angst zu besiegen.
Zu diesem Thema finden Sie hier einen Online Vortrag von Dr. Andreas Jähne.
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Die Oberberg Kliniken sind deutschlandweit vertreten. Wir therapieren alle Arten psychischer Krankheitsbilder nach den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis, stets individuell auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten.
Das Oberberg Therapieangebot umfasst eine große Bandbreite an medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen für das gesamte Spektrum psychischer und psychosomatischer Erkrankungen.
In den Oberberg Kliniken unterstützen wir Menschen mit einer großen Bandbreite an psychischen Erkrankungen – von ADHS bis hin zu Zwangsstörungen. Erfahren Sie mehr über Symptome und Diagnosen und entdecken Sie, welcher unserer Standorte auf Ihr Behandlungsbild spezialisiert ist.
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