Für Therapiesituationen scheint das ungeschriebene Gesetz zu gelten, dass der Rahmen einer „Sitzung“ immer gleichbleiben muss, damit sich Patienten sicher fühlen und ohne Ablenkung auf ihre Themen konzentrieren können. Warum es sich dennoch lohnt, die gewohnten vier Wände hin und wieder zu verlassen, zeigen unsere Erfahrungen in der achtsamkeitsbasierten Naturtherapie.
Ressourcen können in der Natur mittels Symbolen und Metaphern aufgedeckt werden. Grenzen der Belastbarkeit, z. B. an natürlichen Grenzen wie einer undurchdringlichen Brombeerhecke, laden zur Erprobung ein. Wachstum und Entwicklung finden erfahrungsgemäß immer an den Grenzen unserer „Komfortzone“ statt.
Diese Komfortzone müssen Patienten verlassen, wenn sie die Natur betreten und sich für neue Erfahrungen öffnen. Hierbei gibt es viele Möglichkeiten des Explorierens und des Ausprobierens. Es muss aktiv eine Auswahl getroffen und Entscheidungen müssen gefällt werden. Dabei ist es unerlässlich, sich mit den eigenen Vorlieben auseinanderzusetzen.
„Wer sich mit der Natur beschäftigt, versteht auch alles andere besser“ (Albert Einstein)
Patienten fühlen sich nach der Therapie im Grünen meist entspannter, geerdet, der Kopf ist klarer und mehr Wohlbefinden spürbar. Eine Patientin meinte: „Achtsam in der Natur sein, bedeutet Leben“.
Therapie unter freiem Himmel gibt Patienten den Raum für die unmittelbare Begegnung mit der Fülle des Lebendigen. Der Alltag kann für eine Weile in die Ferne rücken, die digitale Welt hat hier keinen Platz, ebenso wenig Erwartungen und Bewertungen. Die Natur fordert nichts. Durch sinnliches Naturerleben kommen leibliche und seelische Prozesse in Gang, der Zugang zu Emotionen wird erleichtert. Freude und Genuss beim Anblick der Natur werden wieder möglich.