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  • Serotonin-Syndrom

    23.09.2021

    Serotonin ist einer der wichtigsten Botenstoffe im menschlichen Gehirn. Der Serotonin-Haushalt ist entscheidend für die Signal-Übertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen und beeinflusst grundlegend unsere Stimmung. Deshalb gibt es viele Medikamente, wie zum Beispiel Antidepressiva, die auf die Serotoninproduktion oder auf den Serotoninstoffwechsel im Gehirn (und andere Bereichen des Körpers) wirken. Vor allem bei Kombination bestimmter serotonerg wirkender Arzneimittel, kann es als Nebenwirkung zum sogenannten „Serotonin-Syndrom“ kommen. Dabei treten Symptome wie eine Beeinträchtigung der psychischen Verfassung, Schweißausbrüche, unkontrollierbare Bewegungen und Hyperaktivität auf. Das Serotonin-Syndrom, auch serotonerges Syndrom genannt, kann in besonders schweren Fällen lebensbedrohlich werden.

    Symptomatik eines Serotonin-Syndroms

    Die ersten Symptome eines Serotonin-Syndroms treten häufig innerhalb von 24 Stunden nach der Einnahme des oder der serotonergen Arzneimittel ein. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig sind:

    Gastrointestinale Symptome wie Durchfall (Diarrhoe), Verhaltensänderungen und Veränderungen des psychiatrischen Status wie Verwirrtheit, motorische Störungen wie Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) und eine Instabilität autonomer Funktionen, beispielsweise des Blutdrucks.

    Die Symptomatik kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und folgende Symptome umfassen:

    • Erhöhung des Blutdrucks (Hypertonie) und der Herzfrequenz (Tachykardie), Pupillenweitstellung (Mydriasis), Schwitzen (Diaphorese), Zittern, rhythmisches Zittern (Tremor), unwillkürliche Zuckungen (Myoklonus) und gesteigerte Reflexe (Hyperreflexie).

    • Fieber von > 40°C (Hyperthermie), hyperaktive Darmgeräusche, Unruhe, horizontale unwillkürliche Augenbewegungenund erhöhte Wachsamkeit (Hypervigilanz).

    • Muskelsteifheit und ein Zustand der geistigen Verwirrung (Delirium). Es kann zu weiteren Komplikationen kommen, die lebensbedrohlich werden können. Eine schwere Symptomatik kann zum Eintreten eines Komas führen oder im schlimmsten Fall tödlich sein.

    Ursache und Auslöser eines Serotonin-Syndroms

    Ursächlich für ein Serotonin-Syndrom ist ein Überschuss des Neurotransmitters Serotonin an den Synapsen, den Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn oder Rückenmark (zentrales Nervensystem).

    Dafür gibt es verschiedene Auslöser . Meist wird ein Serotonin-Syndrom von einer Kombination verschiedener Substanzen ausgelöst, die auf den Botenstoff Serotonin wirken. Auch eine Überdosierung eines einzelnen Medikaments oder in seltenen Fällen die normale Einnahme eines serotonergen Medikaments können zu einem Serotonin-Syndrom führen.

    Viele Arzneimittel wirken serotonerg. Dazu gehören Antidepressiva (wie SSRIs), Opioide, Schmerzmittel, Antibiotika, Erkältungsmittel, Allergiemittel und pflanzliche Arzneimittel. Auch Nahrungsergänzungsmittel und Drogen können Einfluss auf die Funktionsweise von Serotonin nehmen und zur Toxizität führen.

    Häufig ist es notwendig, dass Personen, meist ältere Menschen, mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen , die auf den Serotoninhaushalt einwirken. So kann es zur Entstehung eines Serotonin-Syndroms kommen. Denkbar ist auch die Kombination von Medikamenten und Drogen wie Antidepressiva und Ecstasy oder Kokain, die zu einem Serotonin-Syndrom führen können.Ein Schmerzmittel, bei dem in Kombination mit anderen serotonergen Arzneien eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms vorliegt, ist Tramadol. Das Schmerzmittel Tramadol wird häufig verschrieben und blockiert die Wiederaufnahme von Serotonin im synaptischen Spalt zwischen verschiedenen Nervenzellen, was dazu führt, dass das Serotonin eine stärkere Wirkung entfaltet. In Kombination mit anderen Mitteln, die ebenfalls das Serotonin im Nervensystem beeinflussen, kann Tramadol zu einem gravierenden Überschuss an Serotonin führen und somit zu einem Serotonin-Syndrom.

    Diagnostik eines Serotonin-Syndroms

    Wie ein serotonerges Syndrom diagnostiziert wird, hängt vor allem von der Schwere der Symptomatik ab. Schwere Fälle können z.B. durch einen starken Myoklonus, (eine Extremform des Muskeleigenreflexes) bemerkbar werden und lebensbedrohlich sein. Grundsätzlich müssen andere Krankheitsbilder als Ursache ausgeschlossen werden. Die Diagnostik findet anhand des klinischen Verlaufsbilds des Patienten und der Berücksichtigung der Medikation statt. Die Differentialdiagnostik soll sicherstellen, dass es sich nicht um ein anderes Krankheitsbild handelt, um die Diagnose und anschließende Therapie abzusichern. Dabei auszuschließende Erkrankungen oder alternative Auslöser der Symptomatik sind u.a. eine Maligne Hyperthermie, ein Alkohol-, Benzodiazepin- und/oder Barbiturat-Entzug, ein Malignes Neuroleptisches Syndrom oder das Absetzen von Antidepressiva.

    Therapie eines Serotonin-Syndroms

    Die Therapie eines Serotonin-Syndroms richtet sich nach dem Schweregrad. In der Regel ist ein unmittelbares Absetzen der entsprechenden Präparate (serotonerge Substanzen) erforderlich.

    Symptome des Syndroms können je nach Art mit entsprechenden Medikamenten kurzfristig behandelt werden. In besonders schweren Fällen ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Im Falle eines serotonergen Syndroms ist ein frühzeitiges Erkennen des vorliegenden Syndroms für die Prognose günstig. Bei einer sehr milden Ausprägung ist eine Abwägung der weiteren Einnahme der/des Arzneimittel(s), in einem Austausch zwischen Patient und Behandler, möglich.

    Es gibt zahlreiche Medikamentenkombinationen, die zur Auslösung eines Serotonin-Syndroms führen können. Vorsicht seitens der Behandler, eine gute Differentialdiagnostik und vorbeugende Maßnahmen sind deshalb besonders wichtig.

    Quellen

    Hassamal, S., Miotto, K., Dale, W., & Danovitch, I. (2018). Tramadol: understanding the risk of serotonin syndrome and seizures. The American journal of medicine, 131(11), 1382-e1.

    Leopoldt, D. (2019). Gefürchtetes Serotonin-Syndrom. Deutsche Apothekerzeitung, 2019 (35), 32. deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2019/daz-35-2019/gefuerchtetes-serotonin-syndrom (zuletzt abgerufen: 01.07.2021)

    Maucher, I. V. (2020, 17. Februar). Serotonin-Syndrom. Gelbe Liste Pharmaindex. gelbe-liste.de/arzneimitteltherapiesicherheit/serotonin-syndrom (zuletzt abgerufen: 02.07.2021)

    Müller, T. (2019). Bestätigt: Kein Serotoninsyndrom unter Triptanen. DNP-Der Neurologe & Psychiater, 20(3), 10-10.

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