Erschöpfung zählt zu den häufigsten unspezifischen Symptomen, welche die meisten Menschen zu irgendeiner Zeit ihres Lebens einmal erleben. In der deutschen Allgemeinbevölkerung sind gemäß Selbsteinschätzung 6,1% chronisch erschöpft. Erschöpfung und Atemnot werden mittlerweile auch als Langzeitfolgen einer Covid-19 - Infektion beschrieben.
Das CFS ist eine schwere organische Erkrankung, bislang sind keine Medikamente zur kausalen Therapie verfügbar. Die Behandlung des Chronischen Fatigue Syndroms (CFS) ist daher symptomorientiert und zielt darauf ab, Beschwerden der Erkrankung zu lindern, Überanstrengung zu vermeiden, Infektionen und andere Ursachen für eine Immunaktivierung zu behandeln und Mangelzustände zu beheben.
Viele Patienten(innen) nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein, um den Energiestoffwechsel zu verbessern. Positive Daten aus kleinen Studien gibt es für B-Vitamine, Ribose, Carnitin, Coenzym Q10 und NADH. Auch Magnesiumsubstitution mit 300 bis 500mg täglich hilft vielen Patienten/innen mit CFS. Ein Eisen-, Vitamin B12-, Folsäure- und Vitamin D-Mangel muss behandelt werden. Die Ernährung sollte proteinreich sein und ausreichend ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel in Form von Omega-3-Fettsäuren enthalten.
Ein wichtiges therapeutisches Elementist die psychoedukative Arbeit, die dem Patienten auch Techniken für den Umgang mit Erschöpfung nach körperlicher Belastung vermittelt. Durch Stressreduktion und dem sogenannten „Pacing“ kann es langfristig zu einer Besserung der durch das CFS ausgelösten Beschwerden kommen. Unter „Pacing“ wird das Einhalten eines individuellen Belastungsniveaus verstanden, so dass keine Überlastung nach dem Training auftritt. CFS-Patienten müssen daher zuallererst ihren Lebensstil der Krankheit anpassen und Belastungsspitzen „glätten“. Schlafregulation, Entspannungstechniken und Psychotherapie (vor allem achtsamkeits- und akzeptanzorientierte Elemente, wie auch klassische Elemente der kognitiven Umstrukturierung) sind bei einem CFS wirksam. Im Rahmen der Behandlung lernen Betroffene, ihre Symptome nicht als Zeichen einer unveränderlichen Pathologie aufzufassen. Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle über die eigene Lebensführung werden gefördert mit dem Ziel, das Leben wieder selbst gestalten und nicht durch die chronische Erschöpfungssymptomatik bestimmen lassen. Sozialtherapeutische Unterstützung bei der Klärung finanzieller Fragen und im Zusammenhang mit Ausbildung und Beruf helfen dem Patienten auf dem Weg zurück in den Alltag.
Dr.med. Andreas Jähne / Dr.med. Johannes Bauer