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    02.09.2020

    Erschöpfung zählt zu den häufigsten unspezifischen Symptomen, welche die meisten Menschen zu irgendeiner Zeit ihres Lebens einmal erleben. In der deutschen Allgemeinbevölkerung sind gemäß Selbsteinschätzung 6,1% chronisch erschöpft. Erschöpfung und Atemnot werden mittlerweile auch als Langzeitfolgen einer Covid-19 - Infektion beschrieben.

    Schwerpunkt: Chronische Fatigue und Chronisches Fatigue Syndrom (CFS)

    Unter Fatigue versteht man eine zu den vorausgegangenen Anstrengungen unverhältnismäßige Erschöpfung nach körperlicher und/oder geistiger Anstrengung. Fatigue tritt auch häufig bei Autoimmunerkrankungen auf, bei chronischen Infektionserkrankungen oder unter einer immunmodulatorischen Behandlung mit Interferon und Checkpoint-Inhibitoren. Bei einigen dieser Erkrankungen zählt die Fatigue zu den am meisten beeinträchtigenden Symptomen und kann zu wesentlichen Einschränkungen in den Alltagsaktivitäten führen. Neben der ausgeprägten Erschöpfung leiden die Patienten unter Schmerzen, kognitiven Störungen und nicht erholsamem Schlaf. Häufige Ursachen sind Eisenmangel, chronische Organerkrankungen, Depression und Schlafstörungen. Chronische Fatigue tritt bei verschiedenen Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs, häufig auf.

    Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS)

    Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist eine eigenständige Erkrankung, sie beginnt meist akut im Anschluss nach einer Infektion. Das CFS ist auch bekannt unter den Namen Chronic Fatigue Syndrome , Chronisches Erschöpfungssyndrom oder myalgische Enzephalomyelitis (ME), aufgrund der neurokognitiven Symptome. Inzwischen findet sich oft auch die Bezeichnung CFS/ME. Die Erkrankung wird diagnostiziert, wenn die Symptome länger als 6 Monate bestehen.

    Als Leitsymptom gilt eine Zunahme der Beschwerden bis zu 48h nach einer nicht dazu im Verhältnis stehenden körperlichen oder geistigen Anstrengung (postexertionelle Malaise = PEM). Die Erschöpfung lässt sich durch Ruhe nicht beheben. NebenSymptomen eines chronischen Infektes (grippeähnliches Gefühl, anhaltender Husten, Halsschmerzen) treten oft ausgeprägte Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Wortfindungs- und Artikulationsstörungen, Überempfindlichkeit für Licht, Lärm und Gerüche sowie eine psychomotorische Verlangsamung auf. Trotz der Chronischen Fatigue bestehen meist schwere Schlafstörungen. Auch längere Pausen bewirken keine Erholung. An weiteren Symptomen können Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen auftreten. Manche Patienten haben generalisierte Schmerzen wie bei einer Fibromyalgie.

    Bleibt das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) unbehandelt, besteht ein erhebliches Risiko des Fortbestands der Erschöpfungssymptomatik mit weiteren Einschränkungen durch begleitende psychische Störungen (v.a. Ängste und Depressionen). Dieses Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Durch den chronischen Verlauf der Erkrankung ist es meist für die Patienten/innen mit einem sehr hohen Leidensdruck verbunden und einer massiven Beeinträchtigung des Alltags, so dass Arbeit und Ausbildung kaum möglich sind. Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) ist unbehandelt meist chronisch und führt bei vielen Betroffenen zur Berufsunfähigkeit.

    Multifaktorielle Erklärungsmodelle

    In den letzten Jahrzehnten wurden große Anstrengungen unternommen, um die Krankheitsdefinition und die Diagnostik von CFS zu präzisieren. Die Datenbasis für einen fundierten Umgang mit dieser Erkrankung wächst. Wir stehen im engen Austausch mit führenden Experten auf diesem Gebiet (Fatigue Zentrum der Charité Berlin) und profitieren so vom aktuellen Stand des Wissens. Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) wird von den meisten Wissenschaftlern als eine Multisystemerkrankung betrachtet mit Dysregulation des Immunsystems, des Nervensystems und des zellulären Energiestoffwechsels. Obwohl Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) oft mit einem Infekt beginnt und viele Patienten/innen anhaltende Infektsymptome haben, lässt sich eine aktive Infektion nur bei einem kleinen Teil der Patienten/innen nachweisen. Ursächlich wird bei CFS-Erkrankungen, die durch eine Infektion ausgelöst werden, eine gestörte Immunregulation mit Autoimmunität angenommen. Zumindest bei einem Teil der Betroffenen bestehen neurobiologische Veränderungen.

    „Das Leben wieder selbst gestalten“

    Das CFS ist eine schwere organische Erkrankung, bislang sind keine Medikamente zur kausalen Therapie verfügbar. Die Behandlung des Chronischen Fatigue Syndroms (CFS) ist daher symptomorientiert und zielt darauf ab, Beschwerden der Erkrankung zu lindern, Überanstrengung zu vermeiden, Infektionen und andere Ursachen für eine Immunaktivierung zu behandeln und Mangelzustände zu beheben.

    Viele Patienten(innen) nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein, um den Energiestoffwechsel zu verbessern. Positive Daten aus kleinen Studien gibt es für B-Vitamine, Ribose, Carnitin, Coenzym Q10 und NADH. Auch Magnesiumsubstitution mit 300 bis 500mg täglich hilft vielen Patienten/innen mit CFS. Ein Eisen-, Vitamin B12-, Folsäure- und Vitamin D-Mangel muss behandelt werden. Die Ernährung sollte proteinreich sein und ausreichend ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel in Form von Omega-3-Fettsäuren enthalten.

    Ein wichtiges therapeutisches Elementist die psychoedukative Arbeit, die dem Patienten auch Techniken für den Umgang mit Erschöpfung nach körperlicher Belastung vermittelt. Durch Stressreduktion und dem sogenannten „Pacing“ kann es langfristig zu einer Besserung der durch das CFS ausgelösten Beschwerden kommen. Unter „Pacing“ wird das Einhalten eines individuellen Belastungsniveaus verstanden, so dass keine Überlastung nach dem Training auftritt. CFS-Patienten müssen daher zuallererst ihren Lebensstil der Krankheit anpassen und Belastungsspitzen „glätten“. Schlafregulation, Entspannungstechniken und Psychotherapie (vor allem achtsamkeits- und akzeptanzorientierte Elemente, wie auch klassische Elemente der kognitiven Umstrukturierung) sind bei einem CFS wirksam. Im Rahmen der Behandlung lernen Betroffene, ihre Symptome nicht als Zeichen einer unveränderlichen Pathologie aufzufassen. Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle über die eigene Lebensführung werden gefördert mit dem Ziel, das Leben wieder selbst gestalten und nicht durch die chronische Erschöpfungssymptomatik bestimmen lassen. Sozialtherapeutische Unterstützung bei der Klärung finanzieller Fragen und im Zusammenhang mit Ausbildung und Beruf helfen dem Patienten auf dem Weg zurück in den Alltag.

    Dr.med. Andreas Jähne / Dr.med. Johannes Bauer

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