Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Aggressionen
Was sind die Symptome von Aggressionen?
Ein aggressiver Erregungszustand ist kulturunabhängig bei allen Menschen durch ähnliche Merkmale gekennzeichnet. Folgende Auffälligkeiten können dabei häufig in Kombination miteinander beobachtet werden:
Unruhiges Hin- und Herlaufen, Gestikulieren, muskuläre Anspannung, verkrampfte Körperhaltung, starre Mimik, Schreien, Beschimpfungen, Drohungen, Fäuste ballen, Zerstören, Schlagen, Treten etc. von Personen oder Gegenständen, Schwitzen, Errötung, gesteigerte Herzfrequenz, gesteigerter Blutdruck, Zittern, Hitzegefühl.
Wie funktioniert Psychotherapie bei Aggressionen?
Da Aggression als menschlicher Trieb verstanden wird, ist das Ziel einer Therapie, einen angemessenen Umgang mit dem Trieb zu entwickeln. Bei einer Psychotherapie wird ein konstruktiver Umgang mit Aggressivität erlernt, was das kontrollierte Zulassen angemessener Aggressionen bei gleichzeitigem Erlernen von Strategien zur Vermeidung unangemessener Aggressionen beinhaltet. Ebenso kann es nötig sein, gehemmte Aggressionen aufzuarbeiten und zu lernen, diese zu spüren.
Gibt es eine medikamentöse Therapie von Aggressionen?
Grundsätzlich werden Aggressionen mit einer Psychotherapie behandelt, die zeitweilig auch von Medikamenten begleitet werden kann. Es gibt jedoch kein Medikament, das explizit für die Behandlung von Aggressivität entwickelt wurde. Medikamentengruppen wie Neuroleptika und Benzodiazepine können jedoch kurzfristig bei akuten aggressiven Erregungszuständen eingesetzt werden.
Sind Aggressionen bei Kindern normal?
Für die Entwicklung von Kindern ist es wichtig, dass sie einen konstruktiven Umgang mit allen Gefühlen erlernen. Dabei sollten „negative“ Gefühle wie Aggressionen nicht tabuisiert werden. Es ist stattdessen wichtig, dass Kinder erlernen, mit diesen Gefühlen auf eine Art und Weise umzugehen, die ihnen und anderen nicht schadet.
Treten bei Kindern häufig Aggressionen und Aggressionsausbrüche auf, muss nicht zwingenderweise eine Störung vorliegen. Häufig zeigen Kinder auch Aggressionen, wenn zum Beispiel ihre Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit oder Wertschätzung akut nicht erfüllt sind.
Mögliche Ursachen für Aggressionen eines Kindes:
- Unnatürliche Reizüberflutung
- Nachahmung eigener Gewalterfahrungen
- Konflikte zwischen den Eltern/ in der Familie
- Angst
- Unsicherheit
- Versuch, die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen
- Phase des Trotzverhaltens
- Wunsch, Aufmerksamkeit zu erhalten
- Kognitive Überforderung
- Kognitive Unterforderung
Die häufigsten Formen, in denen sich die Aggressionen von Kindern zeigen, sind Mobbing anderer Kinder, Diebstähle, verbale Gewalt und physische Angriffe.
Um Aggressionen bei Kindern kurzfristig, aber auch langfristig abzubauen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zunächst kann körperliche Bewegung dabei helfen, überschüssige Energie zu kanalisieren. Um langfristig konstruktive Umgangsformen mit negativen Gefühlen zu etablieren, können zum Beispiel Rollenspiele oder Spiele mit Handfiguren verwendet werden. So können positive Verhaltensweisen erlernt und schließlich auch in die Praxis umgesetzt werden. Kinder reagieren zudem sehr stark auf Belohnung. Deshalb ist es wichtig, erwünschte Verhaltensweisen zu verstärken, indem man Kinder für bestimmte Handlungen bewusst belohnt. Wenn das aggressive Verhalten zum Beispiel in schwierigen Familienverhältnissen begründet liegt, ist es hilfreich, professionelle Hilfe zu suchen und die Ursachen der Aggressionen herauszuarbeiten und zu bearbeiten.
Wird aggressives Verhalten immer wieder beobachtet, sollten Erzieher/ Lehrer und die Eltern des Kindes eine Zusammenarbeit anstreben. Unterstützung bieten auch Kinder- und Jugendtherapeuten oder anderes geschultes Personal.
Bei welchen Krankheiten sind Aggressionen ein Symptom?
Starke Aggressionen können im Rahmen von psychischen Erkrankungen auftreten. Auch bei körperlichen Mangelzuständen kommt es häufiger zu Aggressionen. Diese können gegen andere Personen oder gegen die eigene Person gerichtet sein. Wenn aggressives Verhalten häufig auftritt und eine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, ist eine Diagnostik mit dem Ziel einer therapeutischen Behandlung des aggressiven Verhaltens oder einer möglicherweise zugrundeliegenden Störung sinnvoll.
Erkrankungen und Störungsbilder, bei denen Aggressionen auftreten:
- Manie (Bipolare Störung)
- Schizophrenie
- Psychose
- Neurose
- Verhaltensstörung bei Kindern
- Persönlichkeitsstörung
- angeborene oder erworbene Minderintelligenz
- Raptus Melancholicus (unerwartet auftretende psychomotorische Hemmung)
- Depressiver Schmerz
- Artifizielle Störung
- Münchhausen-Syndrom
- ADHS
- Demenz
- Schädel-Hirn-Trauma
- Epileptischer Dämmerzustand
- Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- Vergiftungszustände (z.B. Alkohol, psychotrope Substanzen)
- Abhängigkeitserkrankungen mit Entzugszustand (z.B. Nikotin, Alkohol, psychotrope Substanzen)
- Burnout-Syndrom
- Angststörungen
- Hormonelle Veränderungen
- Schlafmangel
Gibt es positive Aggressionen?
Ja, denn Aggressionen können dabei helfen, sich im Leben durchzusetzen. Mittels positiver Aggressionen können Widerstände überwunden und Probleme effektiv angegangen werden. Oft werden Aggressionen im Alltag in Wettkämpfen ausgelebt, sie helfen dabei, sportliche Ziele zu erreichen oder ein vermehrtes Arbeitspensum zu erfüllen. Nicht selten findet man deshalb bei besonders erfolgreichen Menschen ein hohes Aggressionspotenzial.
Hat es Folgen wenn man Aggressionen unterdrückt?
In den meisten Gesellschaften wird eine hohe Aggressivität nicht toleriert. In der Erziehung kann es zu einer Tabuisierung und einem Verbot von Aggressionen kommen. Häufig werden aggressive Impulse deshalb auf ungesunde Weise unterdrückt. Unterdrückte Aggressionen können dann zu psychosomatischen Symptomen führen. Ebenso kann es dazu kommen, dass unterdrückte Aggressionen gegen sich selbst gerichtet werden (Autoaggression). In beiden Fällen kommt es zu einer Schädigung des eigenen Organismus. Der konstruktive Umgang mit Wut und Aggressivität ist somit von großer Bedeutung.
Weshalb fühlt es sich gut an, seine Aggressionen auszuleben?
Wird eine aggressive Handlung ausgeführt, kommt es im Gehirn anschließend zu einer Ausschüttung von Dopamin. Dopamin ist ein Botenstoff, der zu Glücksgefühlen und Zufriedenheit führt. Dieser angenehme Zustand kann ein Suchtverlangen auslösen, sodass auf der Suche nach dem Glücksgefühl immer stärkere Aggressionen auftreten.
Was ist der Unterschied zwischen Aggressionen und Gewalt?
Die Gewalt ist eine Form der (körperlichen) Aggression. Nicht jede Aggression ist jedoch mit Gewalt verbunden.
Wogegen können sich Aggressionen richten?
- Gegenstände
- Tiere
- Institutionen
- Die eigene Person
- Andere Personen
Quellen
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