Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Agitation
Was sind die Symptome von Agitiertheit?
Bei Agitation können spontane Bewegungen wie Zittern, Ticks und Zuckungen auftreten. Diese Symptome für Unruhe und innere Anspannung sind für Betroffene nicht beherrschbar. Beeinflusst werden können auch reaktive Bewegungen sowie die Körperhaltung, wobei Bewegungen der Gliedmaßen rhythmisch und schnell ausfallen können. Menschen mit Agitation führen häufig auch vermehrt Gesten aus. Das Gesicht kann als Zeichen für die innere Anspannung und Unruhe verstärkte Ausdrucksbewegungen (Mimik) zeigen.
Deutlich als pathologisch erkennbar sind hastige und fahrige Bewegungen, die keinem erkennbaren Zweck dienen. Die innere Unruhe kann sich in diesen Bewegungen entladen, wodurch häufig auch ein impulsives Handeln beobachtbar ist. Als Anzeichen können häufiges Hin- und Herlaufen, Zappeln, Ziehen an Kleidung oder „Spielen“ mit Gegenständen gelten.
Stillsitzen ist von pathologischer Unruhe Betroffenen oft nicht oder nur für sehr kurze Zeit möglich. Agitation kann sich auch sprachlich beobachten lassen, wie in Äußerungen ohne Zusammenhang und Zweck. Agitiertheit kann als pathologisch betrachtet werden, wenn die Symptome von Betroffenen und dem sozialen Umfeld als belastend empfunden werden und über mehrere Stunden ohne erkennbare Motivation anhalten. Stark gesteigertes Verhalten kann zu einem medizinischen Notfall durch Eigen- oder Fremdgefährdung führen.
Ist Agitation gefährlich?
Dies kommt auf die Stärke der Agitation an. Handelt es sich um eine pathologische und ausgeprägte Form von Agitiertheit, kann ein erhöhtes Risiko für Unfälle und selbstverletzendes oder fremdaggressives Verhalten bestehen. In diesen Fällen ist eine professionelle Behandlung möglichst frühzeitig einzuleiten. Medikamente können im akuten Stadium zur Therapie eingesetzt werden.
Ist eine stationäre Behandlung für innere Anspannung und Unruhe erforderlich?
Das kommt auf die Schwere des jeweiligen Falls an. Sind die Beschwerden hinreichend stark und das Risiko einer Fremd- oder Eigengefährdung entsprechend hoch, wird die stabile Umgebung einer stationären Behandlung zumindest sehr hilfreich, wenn nicht sogar dringend angezeigt sein.
Wie wird Agitation behandelt?
Um die geeignete Behandlungsmethode zu finden, um Agitation zu therapieren, ist die Ursache des Symptoms zu eruieren. Ebenso die Situation des Individuums, bei der die Symptomatik entstand, sich zeigt und weiter aufrechterhalten wird. Methoden sind überwiegend Psychotherapie, kurzzeitige Einnahme von Medikamenten, oder auch Absetzen von eingenommenen Substanzen.
Die medikamentöse Behandlung kann in schweren Fällen angezeigt sein, um einerseits den Leidensdruck Betroffener zu mindern sowie gleichzeitig, um unmittelbare Gefahr abzuwenden oder abzumildern. Eine Medikation stellt selten eine langfristige Lösung bei Agitiertheit dar. Sofern innere Anspannung und Unruhe der Agitation als Nebenwirkung eines Medikaments auftritt, kann es nötig sein, dass der Behandler dieses absetzt oder ein alternatives Medikament empfiehlt.
Therapie von Agitation bei Demenz
Studienergebnisse zu Agitation bei Demenz haben gezeigt, dass nichtmedikamentöse Behandlungen effektiver sein können als Pharmakotherapie. Die Metastudie beobachtete, dass bei verbaler Agitiertheit die Medikamentengruppe Antikonvulsiva die effektivste Behandlungsmethode darstellten, bei körperlicher Agitation mit Aggression die effektivste Therapie körperliche Aktivität ist. Ein Therapieprogramm bei motorischer Agitation kann beispielsweise Bewegung, Sport, Meditation, Yoga, Atemübungen und Veränderungen des Tagesablaufs sein.
Behandlung einer Depression, die mit innerer Anspannung und Unruhe auftritt
Grundsätzlich ist eine innere Anspannung und Unruhe jedoch mit Psychotherapie. Qualifizierte und erfahrene Therapeuten können eine solche durchführen. Typische Methoden sind Gesprächstherapie und analytische Psychotherapie, die eine innere Anspannung und Unruhe auflösen können. In schweren Fällen von Agitation im Rahmen einer Depression kann im akuten Stadium die Verabreichung von Medikamenten sinnvoll oder notwendig sein.
Wie unterscheiden sich Agitiertheit, Nervosität und Rastlosigkeit?
Nachdem eine exakte Definition weder für Unruhe noch für pathologische innere Anspannung möglich ist, stellt sich die Frage nach ähnlichen Symptomen und Krankheiten. Dies ist insbesondere für die Diagnostik von Agitation und zur Planung der Behandlung bedeutend.
Nervosität hat starke Ähnlichkeiten mit Unruhe und kann auf innere Anspannung hindeuten. Nervosität kann als eine Entfernung vom Ruhezustand durch eine verringerte Gelassenheit beschrieben werden. Bei Vorliegen eines Grundes, wie einer bevorstehenden Prüfung, ist ein solches Verhalten nicht per se als pathologisch anzusehen, obwohl innere Anspannung und Unruhe vorliegen.
Rastlosigkeit kann ebenfalls mit innerer Anspannung und Unruhe in Zusammenhang gebracht werden. So können auch Hyperaktivität und ständige Bewegung bei diesem Symptom vorliegen. Die Grenze zwischen Rastlosigkeit und Agitiertheit ist fließend. Bei Kindern ähneln sich Anzeichen von Unruhe und innerer Anspannung häufig denen einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Impulsives Handeln, starker Bewegungsdrang und Konzentrationsschwierigkeiten gehören dabei zu den Symptomen einer ADHS/ADS.
Ein Trauma kann durch das Erleben von bei Katastrophen, Gewalt, Krieg und anderen Erlebnissen entstehen. Seelisch können in Folge Symptome wie eine ständige Unruhe, innere Anspannung, Zittern und Konzentrationsschwierigkeiten entstehen. Ein Trauma oder eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) können im Rahmen einer Psychotherapie aufgearbeitet werden, um Symptome wie Agitation zu reduzieren.
Quellen
AOP Orphan Pharmaceuticals GmbH (Hrsg.). (o.D.) Agitation.
AOP Health. aop-health.com/at_de/Seltene-Erkrankungen/neurologie-psychiatrie-und-stoffwechselerkrankungen/agitation
Doccheck (Hrsg). (2022, 03. März). Agitiertheit. Doccheck Flexikon. flexikon.doccheck.com/de/Agitiertheit
Spies Marie, Frey Richard, Friedrich Michaela-Elena, Kasper Siegfried & Baldinger-Melich Pia (2019). Delir - ein evidenzbasierender Überblick. Wiener klinische Wochenschrift Education,14, 1-17.
Watt, J.A. et al. (2019). Comparative efficacy of interventions for aggressive and agitated behaviors in dementia. A systematic review and network meta-analysis. Annals of Internal Medicine, 171, 633-642.